﻿WEBVTT

00:00:11.952 --> 00:00:20.892
Die Erkenntnisse, über die ich hier heute rede, stammen aus ziemlich komplizierten dynamischen Modellen,

00:00:21.422 --> 00:00:26.732
die ich Ihnen nicht so im Detail erläutern kann, dass Sie sie in einer halben Stunde verstehen.

00:00:27.172 --> 00:00:35.923
Ich möchte Ihnen aber einige Grundansätze zu neuen Arten der Theorie über Inflation und Staatsverschuldung vermitteln –

00:00:36.143 --> 00:00:41.953
die nach meiner Einschätzung immer wichtiger für die Makroökonomie werden –

00:00:42.253 --> 00:00:46.514
und auf einige daraus abgeleitete besondere Schlussfolgerungen eingehen.

00:00:46.834 --> 00:00:50.424
Und ich hoffe, dass ich Sie motivieren kann,

00:00:50.424 --> 00:00:53.694
die Theorie durch nähere Beschäftigung damit und Lesen von Literatur tatsächlich nachzuvollziehen.

00:00:54.014 --> 00:01:05.905
Vielen Menschen wurde in Bezug auf die Inflation die monetaristische Sicht vermittelt, dass die Umlaufgeschwindigkeit,

00:01:05.905 --> 00:01:13.295
das Verhältnis des Nominaleinkommens zur Geldmenge, was auch immer das ist, eine relativ stabile Menge ist.

00:01:14.646 --> 00:01:17.846
M, die Geldmenge, wird politisch gesteuert.

00:01:18.826 --> 00:01:24.206
Und das impliziert ein einfaches, eindimensionales, unidirektionales Kausalmodell,

00:01:24.206 --> 00:01:28.656
das Politik und Inflation miteinander verbindet.

00:01:29.297 --> 00:01:34.607
Das Geldmengenwachstum legt das Wachstum der Nominalleistung fest: P mal Y.

00:01:34.607 --> 00:01:40.187
Und da das keine langfristige Auswirkung auf die Leistung haben kann, bestimmt es allein langfristig die Inflation.

00:01:41.737 --> 00:01:46.488
Wenn man die bekannteren Artikel von Milton Friedman liest, ist das die Perspektive,

00:01:46.488 --> 00:01:52.908
die jedes Mal sichtbar wird, wenn er über Inflation redet.

00:01:54.458 --> 00:01:57.659
Aber aus mehreren Gründen funktioniert diese Theorie nicht mehr.

00:01:58.778 --> 00:02:06.779
Einer der Gründe ist, dass M in den einfachen formellen monetaristischen Modellen die unverzinsliche Staatswährung ist.

00:02:07.899 --> 00:02:12.829
Selbstverständlich besteht der Großteil der Geldmenge, wie sie üblicherweise definiert wird, nicht aus Währung,

00:02:12.829 --> 00:02:18.390
sondern aus verschiedenen Arten von Einlagen, die als Transaktionseinlagen bezeichnet werden.

00:02:20.540 --> 00:02:23.510
M1 beinhaltet also von Banken geschaffenes Geld.

00:02:24.022 --> 00:02:35.225
Und in einer einfachen monetaristischen Theorie, wie man sie vor 2009 in den grundlegenden Lehrbüchern

00:02:35.815 --> 00:02:39.335
zum Thema Wirtschaft kennenlernte, war von einem Geldschöpfungsmultiplikator die Rede.

00:02:39.335 --> 00:02:45.786
Und das war die Geldbasis,  die aus zinslosen Reserven plus Währung bestand und von der Regierung gesteuert wurde.

00:02:45.786 --> 00:02:51.126
Und es gab einen Geldmengenmultiplikator, der die Geldbasis zuverlässig in M1 übersetzt.

00:02:52.986 --> 00:02:57.867
Aber in reichen Ländern sind heute nahezu alle Einlagen grundsätzlich verzinst,

00:02:57.867 --> 00:03:01.617
wenn die Verzinsung auch gerade jetzt in vielen Fällen unbedeutend niedrig ausfällt.

00:03:01.617 --> 00:03:06.267
Selbst die Girokonten und Reserveeinlagen bei Zentralbanken sind verzinst.

00:03:06.876 --> 00:03:10.086
Reserveeinlagen bei Zentralbanken sind also heute mit anderen Worten

00:03:10.086 --> 00:03:12.316
eine andere Art von verzinslichen öffentlichen Anleihen des Staates.

00:03:12.316 --> 00:03:19.797
Sie unterscheiden sich von verzinslichen Staatsanleihen nicht durch die Tatsache, dass sie zinslos sind.

00:03:20.157 --> 00:03:25.317
Das einzige zinslose Staatspapier, das noch geblieben ist, ist die Währung.

00:03:25.317 --> 00:03:27.087
Und die Währung ist nicht M.

00:03:27.087 --> 00:03:35.478
Der Großteil der statistischen Arbeiten zur monetaristischen Perspektive auf die Inflation besagt sehr explizit,

00:03:35.478 --> 00:03:38.678
dass M aus mehr als lediglich der Währung besteht.

00:03:42.242 --> 00:03:46.432
Ein Grund dafür, dass die Theorie nicht funktioniert, ist wie bereits gesagt die Tatsache, dass heute alles verzinst wird.

00:03:46.759 --> 00:03:53.380
Aber natürlich wird gerade jetzt nichts verzinst bzw. werden auf so gut wie alle kurzfristigen Wertpapiere kaum Zinsen gezahlt.

00:03:53.870 --> 00:03:57.910
Die Reserveeinlagen der Zentralbanken sind heute verzinst, wenn auch sehr gering.

00:03:57.910 --> 00:04:07.168
In den USA sind kurzfristige Staatsanleihen, Schatzwechsel, geringer verzinst als die Reserveguthaben bei der Zentralbank.

00:04:08.447 --> 00:04:14.788
Und das hat die Bereitschaft der Banken erhöht, weit über die erforderlichen Mindestreservesätze hinaus Reserveguthaben zu halten.

00:04:14.788 --> 00:04:18.468
Das hat den Geldmengenmultiplikator komplett obsolet gemacht.

00:04:18.468 --> 00:04:24.699
Es gibt heute einfach nicht mehr so etwas wie eine Geldbasis und und auch keine starke Tendenz der Geldmenge,

00:04:24.699 --> 00:04:28.719
wie üblicherweise gemessen, im Verhältnis zur Geldbasis anzuwachsen.

00:04:29.859 --> 00:04:35.119
Und wie ich bereits sagte, werden heute in den USA und von fast allen Zentralbanken Zinsen gezahlt.

00:04:35.119 --> 00:04:39.320
Das ist nichts anderes als eine andere Form von Staatsanleihen, die sich kaum von Schatzwechseln unterscheiden.

00:04:40.090 --> 00:04:46.150
Die Vorstellung, dass es also etwas wie M gibt, was man für Transaktionen verwendet, zinslos ist

00:04:46.150 --> 00:04:51.400
und sich von verzinslichen Staatsanleihen unterscheidet, ist also im Wesentlichen obsolet.

00:04:53.041 --> 00:04:55.571
Wie denken wir über die Ermittlung des Preisniveaus?

00:04:58.751 --> 00:05:04.391
Die Theorie, über die ich hier reden werde, ist etwas komplexer als MV = PY.

00:05:04.391 --> 00:05:09.682
Und deshalb werde ich Sie nicht so überzeugen können, wie ich Sie als Wirtschaftsstudenten

00:05:09.682 --> 00:05:18.482
oder junge Nachwuchswirtschaftswissenschaftler eigentlich überzeugen müsste.

00:05:18.482 --> 00:05:21.893
Ich werde Ihnen nur den Ansatz vorstellen, der dahinter steckt.

00:05:23.922 --> 00:05:29.923
Anstelle von MV = PY tritt diese Gleichung, B durch P, wobei B die nominalen Staatsschulden sind.

00:05:29.923 --> 00:05:35.283
Das sind Fiat-Schulden, Schulden, bei denen es sich um Staatspapiere handelt.

00:05:35.283 --> 00:05:40.033
Das Versprechen lautet, dass bei Fälligkeit für das Staatspapier mehr bezahlt wird.

00:05:40.733 --> 00:05:45.274
P ist das Preisniveau, während B der Marktwert der ausstehenden Staatsschulden ist.

00:05:45.274 --> 00:05:51.554
Wenn es langfristige Schulden gibt, kann deren Marktwert sogar in nominalem Sinne schwanken.

00:05:51.554 --> 00:06:00.585
Wenn also vor 15 Jahren Schuldtitel zu 5% ausgegeben wurden und diese zu einem Zeitpunkt,

00:06:00.585 --> 00:06:06.705
zu dem die kurzfristigen Marktsätze auf 1% oder darunter gefallen sind, noch auf dem Markt sind,

00:06:07.489 --> 00:06:11.799
haben diese Schuldtitel in nominalem Sinne einen wesentlich höheren Marktwert.

00:06:11.799 --> 00:06:17.739
Aber dann teilen wir das durch das Preisniveau, um einen realen Wert für marktgängige Staatstitel zu erhalten.

00:06:18.499 --> 00:06:26.020
Und aus der Gleichung ergibt sich, dass das dem abgezinsten Barwert der Primärüberschüsse entsprechen sollte.

00:06:26.020 --> 00:06:31.040
Primärüberschüsse sind Einnahmen abzüglich Ausgaben.

00:06:31.650 --> 00:06:38.721
Die Ausgaben enthalten keine Zinszahlungen auf Schuldtitel, wenn man den Primärüberschuss berechnet.

00:06:39.191 --> 00:06:46.221
Und in der konventionellen Haushaltsrechnung werden bei der Betrachtung des Staatsdefizits,

00:06:46.221 --> 00:06:49.322
wie es üblicherweise berechnet wird, Zinsen berücksichtigt.

00:06:49.822 --> 00:06:52.662
Die Primärüberschüsse subtrahieren die Zinsaufwendungen.

00:06:54.072 --> 00:06:56.802
Dies ist aus vielen Gründen eine Vereinfachung der Thematik.

00:06:56.802 --> 00:07:05.723
Das Wichtigste an dieser Version der Formel ist, dass sie von einem bekannten realen Zinssatz ausgeht, nämlich Rho.

00:07:06.363 --> 00:07:08.893
Selbstverständlich variiert der tatsächliche Zinssatz im Laufe der Zeit.

00:07:09.413 --> 00:07:14.963
Aber vereinfacht gesagt, entspricht die Annahme eines konstanten tatsächlichen Zinssatzes

00:07:14.963 --> 00:07:18.614
in etwa einer stabilen Umlaufgeschwindigkeit in der monetaristischen Theorie.

00:07:19.134 --> 00:07:23.444
Dies ist also eine vereinfachte Sicht auf diese andere Denkweise über die Ermittlung des Preisniveaus.

00:07:24.274 --> 00:07:28.884
Und ich brauche das nicht im Detail zu erläutern.

00:07:29.194 --> 00:07:34.585
Wenn ich diese Theorie vor Menschen präsentiere, die größtenteils aus der Finanzbranche stammen,

00:07:34.815 --> 00:07:38.885
haben sie überhaupt keine Schwierigkeiten damit, diese Formel nachzuvollziehen.

00:07:39.115 --> 00:07:43.145
Sie wird genauso abgeleitet wie übliche Bewertungsgleichungen für Anleihen oder andere Aktien.

00:07:45.230 --> 00:07:53.720
Manchmal haben mir sogar erfahrene Finanzleute gesagt, dass diese Art von Preisniveautheorie

00:07:53.720 --> 00:07:57.300
letztendlich für die Ermittlung des Preisniveaus Sinn macht.

00:07:57.620 --> 00:08:01.871
Und sie sagen mir dann auch, dass sie die Gleichung MV = PY nie verstanden haben.

00:08:01.871 --> 00:08:07.814
Aber wenn man sich zu viel mit Wirtschaftswissenschaften beschäftigt hat, erscheint diese Theorie sehr seltsam und bizarr.

00:08:08.294 --> 00:08:11.264
Und deshalb kann ich Sie nur bitten, sie zunächst zu akzeptieren.

00:08:12.064 --> 00:08:20.985
Wenn Sie das Modell dahinter verstehen wollen, gibt es eine Menge Literatur dazu.

00:08:20.985 --> 00:08:25.605
Über die exakten Implikationen dieses Modells wird ziemlich kontrovers diskutiert.

00:08:26.075 --> 00:08:31.825
Wenn Sie zu den Diskussionen heute Nachmittag kommen, kann ich Ihnen Literatur nennen,

00:08:31.825 --> 00:08:34.095
über die Sie sich die Theorie erschließen können.

00:08:35.466 --> 00:08:40.506
Aber klar ist, dass das nicht so einfach ist wie MV = PY.

00:08:40.506 --> 00:08:47.446
Zum einen wird eine Gleichung wie MV = PY nach wie vor Bestandteil eines jeden allgemeinen Gleichgewichtsmakromodells sein.

00:08:47.766 --> 00:08:51.747
Sie wird nicht durch diese Anleihenbewertungsgleichung ersetzt.

00:08:51.747 --> 00:08:54.047
Sie besteht gleichgewichtig daneben.

00:08:55.137 --> 00:09:02.717
Darüber hinaus ersetzt sie nicht einfach die unidirektionale Denkweise „M-verursacht-PY“, das eindimensionale Modell,

00:09:03.287 --> 00:09:06.688
durch ein unidirektionales Modell „Nominale-Schuld-verursacht-PY“.

00:09:07.198 --> 00:09:16.998
Dies ist eines der verbreiteten Missverständnisse dieser Theorie, die als Fiskaltheorie des Preisniveaus bezeichnet wird.

00:09:17.308 --> 00:09:23.819
Oft wird gedacht, dass die Fiskaltheorie des Preisniveaus einfach dem Monetarismus entspricht, nur mit Nominalschulden statt Geld.

00:09:23.819 --> 00:09:27.309
Wenn also große Defizite bestehen, ist viel Inflation zu erwarten.

00:09:27.309 --> 00:09:29.139
Aber das besagt diese Theorie nicht.

00:09:31.669 --> 00:09:35.470
Diese Gleichung hat zwei Bestandteile, die der politischen Kontrolle unterliegen.

00:09:35.470 --> 00:09:39.620
B, die nominale Verschuldung, die sich durch die aktuellen nominalen Defizite

00:09:40.390 --> 00:09:44.150
und natürlich durch die aus der Vergangenheit vorgetragenen Schulden ergibt.

00:09:45.120 --> 00:09:48.171
Und künftige Primärüberschüsse.

00:09:48.451 --> 00:09:50.121
Das sind die beiden Bestandteile, die der Politik unterliegen.

00:09:51.799 --> 00:10:00.690
Wie ich bereits sagte: Bei langfristigen Schuldtiteln kann der Wert der langfristigen Schuldtitel mit den Zinsen schwanken.

00:10:00.690 --> 00:10:07.700
Es gibt also eine weitere Variable, die in der Gleichung, wie ich sie aufgeschrieben habe, fehlt.

00:10:09.060 --> 00:10:12.441
Hier haben wir die Nominalverschuldung so, als ob es eine feststehende Zahl wäre.

00:10:12.441 --> 00:10:20.512
Wenn sich aber Zinsen und erwartete künftige Zinsen verändern, kann sich B tatsächlich ohne jedes Defizit verändern,

00:10:21.092 --> 00:10:23.063
weil B der Marktwert der Schuldtitel ist.

00:10:27.596 --> 00:10:31.786
Neben der Tatsache, dass zwei Variablen in der Gleichung enthalten sind, die durch die Politik gesteuert werden,

00:10:31.786 --> 00:10:34.506
enthält sie auch Erwartungen über die Zukunft.

00:10:34.996 --> 00:10:40.827
Einer der Vorzüge von MV = PY als nette einfache Theorie ist der darin enthaltene Mechanismus,

00:10:40.827 --> 00:10:44.017
dass alle enthaltenen Variablen auf heute datiert sind.

00:10:44.407 --> 00:10:50.507
Es wird nicht zu kompliziert, es sei denn, man beginnt darüber nachzudenken, was V und die Zinsen bestimmt,

00:10:50.817 --> 00:10:55.678
und welche systematischen Effekte Zinsen auf die Umlaufgeschwindigkeit haben.

00:10:55.678 --> 00:10:59.398
Wenn man aber bei der Vorstellung bleibt, dass die Umlaufgeschwindigkeit sowieso relativ stabil bleiben wird,

00:10:59.398 --> 00:11:05.018
erhält man eine Gleichung, die die Zukunft bei der Entscheidung über das Preisniveau nicht einbezieht.

00:11:05.018 --> 00:11:10.659
Diese Theorie besagt, dass das, was die Märkte über die künftige Fiskalpolitik annehmen,

00:11:10.659 --> 00:11:13.909
von zentraler Bedeutung für die Festlegung des Preisniveaus ist.

00:11:15.499 --> 00:11:19.879
Ich möchte mich nun einigen politikrelevanten Fragen dieser Theorie zuwenden.

00:11:20.410 --> 00:11:21.330
Ich werde Ihnen die Antworten geben.

00:11:21.330 --> 00:11:24.610
Ich werde Ihnen aber nicht exakt erklären, wie man dazu kommt.

00:11:24.610 --> 00:11:27.440
Um das zu verstehen, müssen Sie die Literatur lesen.

00:11:29.100 --> 00:11:33.140
Aber könnte eine Schuldenakkumulation zu einer galoppierenden, unkontrollierbaren Inflation führen?

00:11:33.140 --> 00:11:34.611
Das ist eine weit verbreitete Befürchtung.

00:11:36.381 --> 00:11:44.251
Viele Menschen erwägen eine quantitative geldpolitische Lockerung - die Zentralbankpolitik in den USA, Japan und in gewissem

00:11:44.251 --> 00:11:54.162
Umfang auch in Europa -, die die Bilanz durch den Kauf von Vermögenswerten und die Erhöhung der Reserven aufbläht

00:11:54.642 --> 00:11:59.452
und dadurch das Risiko einer explosionsartigen Inflation zu einem späteren Zeitpunkt verursacht.

00:12:00.169 --> 00:12:04.289
Nun, das kommt zum Teil von Leuten, bei denen es sich um Monetaristen handelt

00:12:04.289 --> 00:12:08.040
und die Reserven immer noch als Geldbasis betrachten, ohne sich der Tatsache bewusst zu sein,

00:12:08.040 --> 00:12:15.640
dass heute darauf Zinsen gezahlt werden – was gerade das Geldbasis-Multiplikatorenargument zunichtemacht.

00:12:16.560 --> 00:12:23.431
Aber zum Teil stammt das auch von Leuten, die – selbst wenn sie Monetaristen sind – verstehen,

00:12:23.431 --> 00:12:29.231
dass bei wirklich hohem Schuldenstand der Druck der Finanzbehörde,

00:12:29.521 --> 00:12:33.781
die Geldmenge durch Kauf von Staatsschuldtiteln und Niedrighalten der Zinsen auszuweiten, wirklich sehr groß werden könnte.

00:12:34.841 --> 00:12:41.262
Die Befürchtung ist also, dass die Schulden bei riesigen Defiziten im Verhältnis zum BIP steigen

00:12:42.152 --> 00:12:45.352
und wir mit einer großen Inflation kämpfen müssten.

00:12:45.352 --> 00:12:47.762
Die Frage ist, ob diese Befürchtung berechtigt ist.

00:12:48.742 --> 00:12:52.793
Aus der Sicht dieser Theorie ist das sicherlich etwas, was passieren könnte.

00:12:53.323 --> 00:12:59.733
Das hängt davon ab, ob die Expansion der Nominalschulden Inflation produziert.

00:13:00.173 --> 00:13:07.524
Es muss so sein, weil die Nominalschulden trotz der Vorstellung wachsen, dass die Primärüberschüsse künftig nicht zunehmen.

00:13:07.744 --> 00:13:13.264
Die Zukunft der realen Primärüberschüsse muss sich auch dann bewahrheiten, wenn die Nominalschulden steigen.

00:13:13.264 --> 00:13:17.894
Wenn das wahr ist, wird das heute für Inflationsdruck sorgen.

00:13:18.164 --> 00:13:24.454
Eine intuitive Möglichkeit, darüber nachzudenken, wäre: Der Staat legt eine Menge Schuldtitel in die öffentliche Hand,

00:13:24.814 --> 00:13:29.185
was den öffentlichen Sektor bei den derzeitigen Preisen reicher macht.

00:13:29.885 --> 00:13:36.105
Wenn sich keine anderen Faktoren ändern, würde das zu dem Wunsch nach mehr Ausgaben führen und Inflationsdruck verursachen.

00:13:36.785 --> 00:13:42.766
Wenn die Leute aber glauben, dass – sofern diese ausgeweiteten Schulden in ihre Hände geraten – ein entsprechender erweiterter

00:13:42.766 --> 00:13:49.386
Strom an künftigen Primärüberschüssen entsteht, der die Schulden absichert, dann fühlen sie sich nicht reicher.

00:13:49.386 --> 00:13:55.047
Sie haben Anleihen, die auf ihren persönlichen Bilanzen positiv verbucht wurden,

00:13:55.357 --> 00:14:00.687
aber das wird von erwarteten künftigen Steuern abzüglich Kosten aufgezehrt.

00:14:01.267 --> 00:14:03.667
Sie fühlen sich also nicht reicher.

00:14:06.437 --> 00:14:10.998
Die Vorstellung, dass zunehmende Nominalschulden zur Inflation führen,

00:14:11.728 --> 00:14:15.498
hängt davon ab, was die Menschen von der künftigen Steuerpolitik erwarten.

00:14:15.498 --> 00:14:19.858
Und es ist unwahrscheinlich, dass die Einstellungen der Menschen zur künftigen Politik

00:14:20.058 --> 00:14:24.689
vernünftigerweise als unveränderlich gegenüber der künftigen Steuerpolitik zu behandeln sind.

00:14:26.166 --> 00:14:33.356
Will man also eine Inflationstheorie daraus ableiten, muss man fragen, wie die aktuellen Politikentscheidungen

00:14:33.556 --> 00:14:40.867
und die aktuellen Ankündigungen zur künftigen Politik die Markterwartungen über künftige Steuerpolitik beeinflussen.

00:14:46.160 --> 00:14:52.661
Monetaristen – und in der Tat zählen zu den Monetaristen in diesem Sinne auch die Neukeynesianer –

00:14:53.071 --> 00:15:03.051
ignorieren die Staatshaushaltsbeschränkung und diese „B durch P = Abschlag zum Barwert von Tau“-Gleichung.

00:15:03.051 --> 00:15:08.412
Wenn sie darüber nachdenken, wie Inflation festgestellt wird, ignorieren sie diesen Teil des Modells.

00:15:08.412 --> 00:15:09.602
Sie schieben ihn zur Seite.

00:15:09.602 --> 00:15:20.753
Die Gleichungen, aus denen diese „B durch P = Tau durch Rho“-Gleichung abgeleitet wird,

00:15:20.753 --> 00:15:24.533
entstammen ganz einfach den neukeynesianischen Modellen und monetaristischen Modellen.

00:15:24.943 --> 00:15:31.273
Die Menschen, die mit diesem Modell arbeiten, gehen nicht von der Nichtexistenz dieser Gleichungen aus.

00:15:31.273 --> 00:15:38.934
Es gibt einfach natürliche Annahmen, die es ermöglichen, diese Gleichungen bei der Ermittlung des Preisniveaus zu ignorieren.

00:15:39.476 --> 00:15:48.257
Eine Annahme, die es zulässt, beim Nachdenken über das Preisniveau Defizite zu ignorieren, ist die, dass jede Zunahme der Schulden

00:15:48.257 --> 00:15:55.507
heute eine Erwartung steigender Primärüberschüsse in Zukunft erzeugt, so dass steigende Nominalschulden

00:15:55.507 --> 00:16:00.197
keine Auswirkungen auf das Preisniveau haben, weil sie von den Menschen immer ausgeglichen werden.

00:16:00.197 --> 00:16:05.508
Wenn heute ein großes Defizit wahrgenommen wird, gehen die Menschen davon aus, dass die Haushaltsstrenge in Zukunft zunehmen wird.

00:16:05.508 --> 00:16:09.998
Sie fühlen sich also nicht reicher.

00:16:12.046 --> 00:16:17.077
Es könnte plausibler erscheinen, dass Menschen bei der Wahrnehmung der aktuellen Defizite denken,

00:16:17.077 --> 00:16:22.307
dass die Primärüberschüsse künftig geringer ausfallen werden oder in Zukunft Defizite auftreten könnten.

00:16:22.307 --> 00:16:28.077
Wenn solche Erwartungen bestehen, solche Zusammenhänge zwischen der aktuellen Steuerpolitik

00:16:28.077 --> 00:16:35.188
und Erwartungen zur künftigen Steuerpolitik bestehen, ist die Schuldenexpansion inflationär.

00:16:42.028 --> 00:16:45.669
Eine weitere Frage zu diesem Politikthema lautet:

00:16:46.529 --> 00:16:54.629
Könnte eine Zentralbank durch eine Haltung, die stringent genug ist, ein „verantwortliches“ Steuerverhalten erzwingen?

00:16:54.939 --> 00:17:04.360
Man könnte also argumentieren, dass es für die Steuerbehörde unmöglich ist, heute Schuldtitel zu begeben,

00:17:04.360 --> 00:17:10.250
ohne eine Erwartung künftiger Primärüberschüsse zu schaffen, die das decken, solange die Währungsbehörde streng genug ist.

00:17:10.250 --> 00:17:15.081
Beispiel: Sie würde sich zu einer festen Wachstumsrate für die Geldmenge

00:17:15.081 --> 00:17:17.651
oder sogar einer festgelegten Höhe der Geldmenge verpflichten.

00:17:18.374 --> 00:17:23.065
Ich kann das hier nicht detailliert erläutern.

00:17:23.365 --> 00:17:26.405
Das erfordert eine Beschäftigung mit diesen dynamischen Modellen.

00:17:26.995 --> 00:17:33.515
Aber es stimmt nicht, dass eine Asymmetrie besteht, die Zentralbank also die Steuerbehörde zwingen kann.

00:17:34.575 --> 00:17:40.596
Weder Zentralbank noch Steuerbehörde können sich gegenseitig zu etwas zwingen.

00:17:41.826 --> 00:17:51.997
Es ist stimmt absolut, dass – sofern sich die Währungsbehörde an eine feste Geldmengenwachstumsrate hält oder an eine Regelung,

00:17:51.997 --> 00:17:58.917
nach der die Zinsen sehr stark auf die Inflation reagieren und die Realzinsen mit zunehmender Inflation steigen –

00:17:59.367 --> 00:18:01.717
es bei dieser Art von finanzpolitischer Regel kein Gleichgewicht gibt,

00:18:01.717 --> 00:18:10.388
in dem die Steuerbehörden nicht die aktuelle Verschuldung durch künftige Primärüberschüsse absichert.

00:18:11.118 --> 00:18:17.388
Aber auch das Folgende stimmt: Wenn die Steuerbehörde künftige Schulden nicht durch künftige Primärüberschüsse abdeckt,

00:18:17.748 --> 00:18:23.249
besteht kein Gleichgewicht, in dem die Währungsbehörde ein konstantes Geldmengenwachstum beibehält.

00:18:24.159 --> 00:18:28.919
Keine Kräfte innerhalb des Modells können bewirken,

00:18:28.919 --> 00:18:36.690
dass eine dieser Strategien die andere Behörde zwingt, eine andere Politik einzuschlagen.

00:18:37.110 --> 00:18:41.390
Es ist einfach so, dass diese Strategien in einem schwierigen Spannungsverhältnis stehen.

00:18:41.390 --> 00:18:47.010
Wenn beide Behörden versuchen, auf diese wechselseitig widersprüchlichen Strategien einzusteigen,

00:18:47.510 --> 00:18:52.411
lautet die Botschaft der Theorie, dass diese Situation nicht ewig anhalten wird.

00:18:53.201 --> 00:18:55.501
Die Öffentlichkeit weiß, dass sie nicht für immer anhalten wird.

00:18:56.531 --> 00:19:03.772
Was tatsächlich passiert, hängt jetzt von den Einschätzungen darüber ab, welche Behörde ihre Politik wann ändern wird.

00:19:04.012 --> 00:19:05.682
Und das ist alles, was man sagen kann.

00:19:10.862 --> 00:19:15.502
Eine weitere interessante Auswirkung dieser Theorie ist: Wenn die Öffentlichkeit davon überzeugt ist,

00:19:15.922 --> 00:19:23.063
dass heutige Defizite keine künftigen Überschüsse zur Folge haben, bleiben die künftigen Überschüsse beispielsweise

00:19:23.063 --> 00:19:29.733
in einem politischen Prozess stecken, in dem jeder sehen kann, dass die Steuern auf keinen Fall steigen werden.

00:19:29.733 --> 00:19:32.323
Und es gibt keine Möglichkeiten für sinkende Ausgaben.

00:19:32.594 --> 00:19:41.034
Wir hängen in diesem speziellen Strom des Schuldendienstes und es gibt politische Hindernisse, so dass sich das nicht ändern kann.

00:19:41.654 --> 00:19:49.375
Wenn das zutrifft und die Währungsbehörde die Zinsen anhebt, führt das nicht zur Reduzierung der Inflation.

00:19:49.375 --> 00:19:54.595
Tatsächlich bedeutet der Anstieg der Zinsen in diesem Fall bei festen Primärüberschüssen,

00:19:54.595 --> 00:20:00.565
dass das konventionelle Defizit und damit die Emissionsrate der Nominalschulden steigen.

00:20:01.426 --> 00:20:05.576
Und der Zinsanstieg ist inflationär und nicht deflationär.

00:20:05.906 --> 00:20:11.996
Es gibt tatsächlich Zeitperioden und Länder, wo dies die zentrale geldpolitische Überlegung war.

00:20:12.386 --> 00:20:21.317
In Brasilien dachte die Währungsbehörde in Zeiten hoher Inflation, als bereits Zinssätze im Bereich von 20% vorherrschten

00:20:21.737 --> 00:20:25.027
und eine Inflationsrate im Bereich von 30% bevorstand,

00:20:25.347 --> 00:20:32.108
dass die Anhebung der Zinsen eine gute Idee wäre, um einen positiven Realzins zu erhalten.

00:20:32.108 --> 00:20:37.628
Aber man erkannte, dass angesichts der politischen Situation ein Anstieg der Zinsen –

00:20:37.628 --> 00:20:43.498
da die Staatsverschuldung bereits sehr hoch war und die Zinsaufwendungen einen großen Anteil des Haushalts ausmachten –

00:20:43.498 --> 00:20:47.389
nur die Geschwindigkeit beschleunigen würde, mit der die Staatsverschuldung wachsen würde.

00:20:47.639 --> 00:20:50.889
Und sie wussten, dass dies inflationär, nicht deflationär wäre.

00:20:51.589 --> 00:20:55.479
Das ist eine Situation, die aus der Sicht dieser Theorie leicht verständlich ist.

00:20:55.479 --> 00:21:00.229
Sehr mysteriös jedoch aus der Perspektive eines reinen Monetaristen.

00:21:04.900 --> 00:21:12.700
Aber ich glaube, dass heute in den USA, Japan und Europa die Öffentlichkeit nicht denkt,

00:21:12.700 --> 00:21:18.211
dass aktuelle Defizite künftige Defizite implizieren.

00:21:18.211 --> 00:21:19.851
Tatsächlich gilt das Gegenteil.

00:21:19.851 --> 00:21:23.851
Tatsächlich, so glaube ich, gilt sogar etwas Schlimmeres als das Gegenteil.

00:21:24.061 --> 00:21:30.212
Die Menschen in den USA, Europa und Japan sind sich sehr wohl der Tatsache bewusst, dass ihre alternden Bevölkerungen

00:21:30.212 --> 00:21:34.482
in nicht allzu ferner Zukunft schmerzhafte finanzpolitische Anpassungen erleben müssen

00:21:34.872 --> 00:21:38.422
und die politischen Prozesse diese Anpassungen nicht berücksichtigen.

00:21:38.792 --> 00:21:44.373
Das Ausmaß, in dem der politische Prozess diese Anpassungen angeht, unterscheidet sich von Land zu Land.

00:21:44.373 --> 00:21:53.013
In den USA ist es besonders deprimierend zu sehen, wie  schwierig es ist, Fortschritte zur Lösung der Probleme zu erzielen:

00:21:53.013 --> 00:21:57.134
Wer wird in welchem Umfang von der künftigen Steuerstrenge betroffen sein?

00:21:57.134 --> 00:22:01.024
Werden die Alten mit weniger Rente auskommen müssen?

00:22:01.024 --> 00:22:04.435
Werden die Jungen höhere Steuern zahlen müssen und wenn, wie viel?

00:22:04.809 --> 00:22:09.949
Das sind Tabuthemen im politischen Diskurs - keiner möchte darüber reden.

00:22:11.434 --> 00:22:17.995
2010 gingen in den USA 60% der nicht im Ruhestand lebenden Menschen davon aus, dass die Sozialversicherung,

00:22:18.195 --> 00:22:23.715
das staatliche Hauptrentenprogramm, bei ihrem Eintritt in den Ruhestand nicht mehr in einer Form existieren wird,

00:22:23.715 --> 00:22:26.135
in der sie von Leistungen profitieren.

00:22:26.705 --> 00:22:34.796
56% der bereits berenteten Menschen gingen davon aus, dass ihre derzeitigen Rentenleistungen beschnitten werden.

00:22:35.586 --> 00:22:40.716
Die Menschen sind ziemlich pessimistisch, was die künftige steuerliche Situation und die Auswirkung auf sie betrifft.

00:22:41.906 --> 00:22:45.967
Vor dem Hintergrund solcher Ansichten erhöhen die Defizite, die aus der Krise

00:22:46.167 --> 00:22:50.297
und dem politischen Stillstand hervorzugehen scheinen, die Unsicherheit der Menschen darüber,

00:22:50.297 --> 00:22:52.917
wer von künftigen steuerlichen Anpassungen betroffen sein wird.

00:22:53.275 --> 00:22:57.785
Und das macht meiner Ansicht nach die Defizite tatsächlich deflationär

00:22:58.005 --> 00:23:00.775
und führt letztendlich dazu, dass Defizite die Nachfrage reduzieren.

00:23:00.775 --> 00:23:07.833
Die Menschen sehen, dass es Defizite gibt und wissen bereits, dass es in Zukunft Haushaltsprobleme geben wird.

00:23:08.213 --> 00:23:11.713
Sie sind überzeugt, dass keine Inflation eintritt.

00:23:11.963 --> 00:23:17.114
Dazu gehört, dass sie sehr davon überzeugt wurden, dass die Zentralbanken die Inflation tatsächlich steuern können.

00:23:17.114 --> 00:23:19.724
Und sie ist gering und wird immer gering bleiben.

00:23:19.724 --> 00:23:22.194
Diese Defizite müssen also gedeckt werden.

00:23:22.898 --> 00:23:27.058
Es sah bereits so aus, als ob ich keine Sozialversicherung mehr genießen würde und meine Steuern hoch sein würden.

00:23:27.384 --> 00:23:30.434
Diese Schulden kommen auf uns zu - es sieht also so aus, als ob es sogar noch schlimmer werden würde.

00:23:30.664 --> 00:23:40.225
Und außerdem: Wenn ich jung bin, weiß ich gar nicht, ob die ganzen Anpassungen die jungen oder die alten Menschen betreffen.

00:23:41.165 --> 00:23:46.595
Das Ausmaß künftiger finanzpolitischer Anstrengungen wird also erhöht.

00:23:46.595 --> 00:23:51.555
Und gleichzeitig steigt die Ungewissheit darüber, wer diese Zunahmen tatsächlich zu schultern haben wird.

00:23:52.694 --> 00:23:58.054
Die Standardannahme in monetaristischen Modellen,

00:23:58.054 --> 00:24:06.584
die Menschen die Fiskalseite bei der Ermittlung der Inflationsrate ignorieren lässt,

00:24:06.854 --> 00:24:18.615
scheint mehr oder weniger für die Länder zu stimmen, die jetzt ein langsames Wachstum und geringe Inflation erleben.

00:24:19.605 --> 00:24:21.525
Und das ist ein großes Problem.

00:24:22.666 --> 00:24:28.766
Denn die Art und Weise, in der die Währungsbehörde die Inflationsrate bei dieser Steuerpolitik,

00:24:28.766 --> 00:24:36.287
bei der aktuelle Defizite die Erwartungen über künftige Überschüsse erzeugen, steuert, besteht in Zinssatzbewegungen.

00:24:36.287 --> 00:24:44.757
Wenn die Inflation steigt, besteht der Ansatz der Währungsbehörde zur Festlegung eines einheitlichen Preisniveaus und einer

00:24:44.757 --> 00:24:50.398
Inflationsrate in dem Versprechen, die Zinsen bei steigender Inflation sogar noch schneller anzuheben als die Inflation.

00:24:50.398 --> 00:24:53.018
Die Realzinsen müssen also höher sein, wenn die Inflation höher ist.

00:24:53.428 --> 00:25:01.119
Und wenn die Inflation zurückgeht, werden die Zinssätze sogar noch schneller als der Rückgang im Preisniveau gesenkt.

00:25:01.419 --> 00:25:04.039
Und dann steigen die Realzinsen an.

00:25:05.239 --> 00:25:10.649
Aber all diese Länder hängen an oder nahe der Null-Prozent-Untergrenze fest.

00:25:10.649 --> 00:25:14.770
Es besteht kaum noch Spielraum, die nominalen Zinsen nach unten zu bewegen.

00:25:16.220 --> 00:25:23.330
Die Fiskaltheorie sagt eine Kategorie des Gleichgewichts vorher,

00:25:23.330 --> 00:25:27.080
in der es eine gut bestimmte Inflationsrate gibt, in der der Nominalsatz feststeckt.

00:25:27.330 --> 00:25:29.471
Im Gegensatz zu dem, was in den meisten Lehrbüchern steht,

00:25:29.471 --> 00:25:33.721
ist es für die Währungsbehörde möglich, den Nominalsatz festzuschreiben.

00:25:33.971 --> 00:25:38.381
Und das führt weder zu Chaos noch zu einem schrecklichen Gleichgewicht.

00:25:39.691 --> 00:25:45.992
Dadurch wird die Bestimmung des Preisniveaus von der Währungsbehörde auf die Steuerbehörde übertragen.

00:25:46.442 --> 00:25:52.642
Wenn die Währungsbehörde den Nominalsatz festlegt, wird das Preisniveau von der Steuerbehörde festgelegt.

00:25:52.972 --> 00:26:00.262
Nehmen wir an, dass die Steuerbehörde nicht dafür sorgt, dass die realen künftigen Primärüberschüsse

00:26:00.462 --> 00:26:07.562
auf die nominale Verschuldung reagieren, sondern sich unabhängig davon, was bezüglich der aktuellen nominellen Schulden geschieht,

00:26:07.562 --> 00:26:11.313
stattdessen einem festgelegten Pfad künftiger Primärüberschüsse verschreibt.

00:26:11.703 --> 00:26:16.883
Mit einer derartigen Fiskalpolitik erhält man ein gut ermitteltes Preisniveau und eine feste Inflationsrate

00:26:16.883 --> 00:26:23.654
und im Ergebnis so etwas wie die monetaristische Theorie, dass B PY bestimmt.

00:26:25.324 --> 00:26:27.184
In dieser Situation befinden wir uns aber nicht.

00:26:27.714 --> 00:26:31.014
Unsere Situation ist dadurch charakterisiert, dass die Öffentlichkeit denkt,

00:26:31.014 --> 00:26:35.104
die aktuellen Defizite entsprechen den künftigen Primärüberschüssen.

00:26:35.705 --> 00:26:44.205
Und diese Theorie besagt, dass bei dieser Kombination von Strategien – also einer Öffentlichkeit, die davon ausgeht,

00:26:44.205 --> 00:26:49.545
dass die aktuellen Defizite künftige Primärüberschüsse implizieren, mit anderen Worten künftige Haushaltsstrenge, und die Zinsen

00:26:49.545 --> 00:26:57.356
gleichzeitig der Inflationsrate nicht nach unten folgen können, weil sie bei null festhängen – das Preisniveau unbestimmt ist.

00:26:57.356 --> 00:26:59.246
Es kann im Wesentlichen jede Richtung annehmen.

00:26:59.246 --> 00:27:04.166
Tatsächlich besagt die Theorie, dass das Preisniveau dann dazu tendiert, sich stochastisch nach unten zu bewegen.

00:27:04.166 --> 00:27:06.086
Aber das aktuelle Preisniveau ist unbestimmt.

00:27:07.846 --> 00:27:13.696
Das beruht natürlich auf der Theorie, dass diese Situation, diese Politikkombination ewig andauert.

00:27:14.816 --> 00:27:20.707
Wenn man sagt, dass es nur für eine lange Zeit dauert, hängt das heutige Geschehen von der Einstellung darüber ab,

00:27:20.707 --> 00:27:24.567
wie lang diese Zeit sein wird und auf welche Strategien zurückgegriffen wird, wenn die Zeit vorbei ist.

00:27:25.227 --> 00:27:29.047
Aber das ist nur eine andere Weise zu sagen: Es lässt sich nur sehr schwer voraussagen,

00:27:29.047 --> 00:27:36.128
wie die aktuelle Inflationsrate aussieht, wenn die aktuelle Strategiekonfiguration diese Form annimmt.

00:27:37.598 --> 00:27:44.798
Und leider sieht diese Vorhersage der Theorie unangenehm aus, wie wir in den USA, Europa und Japan gesehen haben:

00:27:44.798 --> 00:27:47.839
lange Zinsperioden, die bei fast null festhängen.

00:27:48.139 --> 00:27:58.140
Und die Inflation macht trotz der Innovationsversuche bei den Zentralbanken nicht wirklich, was sich die Zentralbanken wünschen.

00:27:58.530 --> 00:28:03.960
Die Zentralbanken würden gerne eine durchschnittliche positive Inflationsrate von 2% jährlich sehen.

00:28:04.370 --> 00:28:05.390
Aber das erleben sie nicht.

00:28:05.650 --> 00:28:08.210
In Europa geht sie herunter statt herauf.

00:28:09.490 --> 00:28:17.651
Die Zentralbanken verfolgen Strategien, die darauf hinauslaufen, dass sie eine Art von verzinslichen Staatsanleihen,

00:28:18.171 --> 00:28:24.450
verzinslichen Reserven ausgeben wollen, um eine andere Art von verzinslichen Wertpapieren zu kaufen.

00:28:25.390 --> 00:28:35.150
Bis Komplikationen wie Risikoaversion und stochastische Modellierung auftreten, legen diese Modelle nahe,

00:28:35.150 --> 00:28:42.191
dass diese Art von staatlichen Strategien, eine Wertpapierart für eine andere zu kaufen, überhaupt keinen Effekt hat.

00:28:42.191 --> 00:28:44.681
Das berührt die privaten Haushaltsbeschränkungen in keinster Weise.

00:28:45.851 --> 00:28:52.131
Aus der Sicht dieser Theorie ist die quantitative geldpolitische Lockerung also eine sehr schwache Strategie.

00:28:52.131 --> 00:29:00.812
Ein Versuch der Zentralbank in einer Situation, in der sie die Zinsen gerne in negative Bereiche bewegen möchte,

00:29:00.812 --> 00:29:02.082
das aber nicht tun kann.

00:29:02.382 --> 00:29:11.353
Und die Steuerpolitik hängt unglücklicherweise in einem Setting fest, in dem die Leute davon ausgehen,

00:29:11.353 --> 00:29:15.353
dass die Defizite durch die künftige Besteuerung finanziert werden.

00:29:16.643 --> 00:29:19.034
Gibt es dennoch einen Ausweg aus der Null-Prozent-Untergrenze?

00:29:19.414 --> 00:29:23.064
Ja, er ist einfach zu beschreiben, aber nicht leicht umzusetzen.

00:29:23.064 --> 00:29:29.854
Er erfordert eine Steuerpolitik, die jetzt expansorisch agiert, ohne Verpflichtung, künftige Ausgaben zu beschneiden

00:29:29.854 --> 00:29:32.795
oder künftige Steuern anzuheben, um die aktuelle Preisstabilität zu schützen.

00:29:33.335 --> 00:29:38.245
Aber leider besteht die feste Überzeugung, dass das nicht die Art der Steuerpolitik ist, die wir haben.

00:29:38.535 --> 00:29:44.506
Und es würde große Denkveränderungen der Entscheidungsträger und ihrer Reden erfordern,

00:29:44.506 --> 00:29:48.476
um die Menschen davon zu überzeugen, dass das genau das ist, was tatsächlich zu geschehen hat.

00:29:48.946 --> 00:29:55.086
Und darüber hinaus verlangt das vom politischen System, über die Zeit hinweg Zusagen zu machen und sich daran zu halten,

00:29:55.086 --> 00:29:57.506
was für Politiker sehr hart ist.

00:29:58.346 --> 00:30:00.747
Ich habe noch einige Präsentationsfolien über Europa.

00:30:01.777 --> 00:30:08.737
Die einfache Fiskaltheorie geht von einer Regierung aus, die Schuldtitel in der Währung dieser Regierung ausgibt.

00:30:09.767 --> 00:30:12.427
Eine solche Regierung wird niemals in Verzug geraten.

00:30:12.427 --> 00:30:15.458
Deshalb diskutiert die Theorie keinen Verzug.

00:30:16.838 --> 00:30:20.538
Die europäischen Finanzbehörden geben keine Schuldtitel in einer Währung aus, die sie kontrollieren.

00:30:21.124 --> 00:30:23.684
Ihre Staatstitel sind kürzlich notleidend geworden

00:30:23.904 --> 00:30:26.454
und werden von den Märkten nach wie vor als mit einem Ausfallrisiko behaftet betrachtet.

00:30:26.454 --> 00:30:31.995
Zumindest, wenn man auf die gleiche Art von in Europa denominierten Wertpapieren schaut, zu unterschiedlichen Zinsen –

00:30:31.995 --> 00:30:34.655
abhängig davon, welches Land sie emittiert.

00:30:35.495 --> 00:30:40.355
Wir haben hier nicht die Zeit, die Theorie über die Abdeckung von Ausfallrisiken in mehreren Fiskalbehörden zu behandeln.

00:30:40.355 --> 00:30:41.846
Das wird wesentlich komplizierter.

00:30:42.886 --> 00:30:45.326
Hier sind nur einige Auswirkungen.

00:30:45.766 --> 00:30:48.916
Die Europäische Währungsunion wurde auf der Grundlage der falschen Vorstellung gegründet,

00:30:48.916 --> 00:30:52.326
Geld- und Fiskalpolitik komplett getrennt voneinander steuern zu können.

00:30:53.216 --> 00:30:57.027
Aber jede geldpolitische Maßnahme hat steuerliche Auswirkungen.

00:30:58.997 --> 00:31:06.197
Dass ein Engagement der EZB, einen spekulativen Ansturm auf Staatsschuldtitel der Europäischen Union zu vereiteln,

00:31:06.197 --> 00:31:12.998
über den potentiellen Bedarf an Kapitalspritzen für die EZB zu steuerlichen Risiken führt, ist offensichtlich geworden.

00:31:12.998 --> 00:31:21.298
Wenn man eine Menge Staatstitel südeuropäischer Länder kauft, wäre das möglicherweise nicht erfolgreich.

00:31:21.298 --> 00:31:23.949
Wenn es keinen Erfolg hätte, könnten die Schuldtitel im Wert fallen.

00:31:24.178 --> 00:31:26.359
Die Aktivseite der Bilanz würde stark zurückgehen.

00:31:28.315 --> 00:31:31.035
Dies würde ihre Fähigkeit beeinträchtigen, gegen die Inflation zu kämpfen.

00:31:33.705 --> 00:31:41.066
Der Widerwille gegen die Vorstellung, dass EZB-Maßnahmen ein Steuerrisiko und damit potentielle länderübergreifende implizite

00:31:41.066 --> 00:31:45.346
Transferleistungen bedeuten könnten, hat die EZB-Politik in der Krise eingeschränkt.

00:31:45.546 --> 00:31:51.996
Die nördlichen europäischen Länder erkennen dies als Möglichkeit, dass die EZB Maßnahmen ergreifen könnte, die letztendlich in

00:31:51.996 --> 00:31:58.867
der Aufnahme von Geldern aus Deutschland und Finnland enden könnten, die den unverantwortlichen Italienern und Spaniern zukommen.

00:32:00.957 --> 00:32:02.937
Das hat Widerstand erzeugt.

00:32:05.137 --> 00:32:15.278
Wenn sich die EU-Mitglieder nicht darauf verständigen, die EZB zu rekapitalisieren, wenn dies tatsächlich erforderlich ist,

00:32:16.058 --> 00:32:21.148
könnte die Bekämpfung eines spekulativen Angriffs die Bilanz der EZB gefährden.

00:32:21.148 --> 00:32:25.969
Das ist ein Ereignis mit geringer, aber nicht mit null Wahrscheinlichkeit.

00:32:26.329 --> 00:32:29.779
Und dann wäre eine Fiskalspritze erforderlich.

00:32:30.559 --> 00:32:36.389
Und das wäre eine implizite regierungsübergreifende Transferleistung.

00:32:36.389 --> 00:32:41.310
Und keine einzige Regierung in der Europäischen Währungsunion könnte die Art von expansorischer steuerlicher Zusage machen,

00:32:41.310 --> 00:32:44.730
die ich als erforderlich beschrieben habe, um von der Null-Prozent-Untergrenze wegzukommen.

00:32:45.430 --> 00:32:47.730
In den USA scheint dieses Ereignis sehr unwahrscheinlich zu sein.

00:32:47.730 --> 00:32:50.560
Aber wir wissen, was zu tun wäre und wer es zu tun hätte.

00:32:50.784 --> 00:32:55.094
Bei der EZB wissen wir das nicht.

00:32:56.104 --> 00:33:04.655
Eine Kombination aus Inflationsangst, Sorgen, dass die EZB gezwungen sein könnte, Inflation zuzulassen,

00:33:04.655 --> 00:33:06.675
weil keine steuerliche Rückendeckung besteht.

00:33:07.155 --> 00:33:11.075
Außerdem könnte eine unvollständige Reihe finanzpolitischen Institutionen Europa in einem Umfeld belassen,

00:33:11.075 --> 00:33:13.615
in dem für lange Zeit eine geringe Inflation oder Deflation vorherrscht.

00:33:14.992 --> 00:33:16.492
So, I'm done.

00:33:17.163 --> 00:33:18.673
(Applaus)