﻿1
00:00:05.606 --> 00:00:09.354
Ich werde über den derzeitigen Zustand der Gesamtökonomie sprechen.

2
00:00:09.354 --> 00:00:21.232
Allerdings werde ich keine wissenschaftlichen Resultate präsentieren - der Schwerpunkt des Vortrags liegt auf dem jungen Ökonomen.

3
00:00:21.232 --> 00:00:29.356
Dies ist eine großartige Zeit für die Gesamtökonomie.

4
00:00:29.356 --> 00:00:38.604
In den vergangenen Jahren haben wir viel gelernt, wir lernen immer noch viel, doch was noch wichtiger ist:

5
00:00:38.604 --> 00:00:42.042
Es gibt auch in Zukunft noch viel zu lernen.

6
00:00:42.042 --> 00:00:50.420
Und wenn Sie, die jungen Ökonomen, etwas herausfinden - auf einen von Ihnen trifft das bereits zu - dann erwarte ich,

7
00:00:50.420 --> 00:00:54.291
dass Sie mich darüber unterrichten.

8
00:00:54.291 --> 00:01:09.608
Ich verwende den Ausdruck "Gesamtökonomie" anstelle von Makroökonomie, weil ich die Makroökonomie als seriöse,

9
00:01:09.608 --> 00:01:13.045
aber gescheiterte Wissenschaft betrachte.

10
00:01:13.045 --> 00:01:18.170
In den 1950ern und 1960ern war sie zu großen Teilen von der Betriebswirtschaft getrennt.

11
00:01:18.170 --> 00:01:25.544
Im Mittelpunkt der Makroökonomie steht das empirisch bestimmte, dynamische System,

12
00:01:25.544 --> 00:01:33.170
das die Entwicklung des Volkseinkommens und die Produktstatistik steuert.

13
00:01:33.170 --> 00:01:38.046
Man war der Ansicht, die ökonomischen Grundlagen des empirisch bestimmten,

14
00:01:38.046 --> 00:01:44.105
dynamischen Systems würden nach und nach entwickelt werden.

15
00:01:44.105 --> 00:01:47.043
Das geschah aber nicht.

16
00:01:47.043 --> 00:02:00.043
Die Kritik von Lucas steht im Widerspruch zur dynamischen Wirtschaftstheorie, zur Existenz politikinvarianter Bewegungsgesetze.

17
00:02:00.043 --> 00:02:10.858
Fragen danach, was man tun sollte, was geschehen wird, wenn man jetzt dies oder das tut, sind keine guten ökonomischen Fragen.

18
00:02:10.858 --> 00:02:20.297
Den Ausdruck Mikroökonomie verwende ich übrigens auch nicht, es gibt nur Ökonomie.

19
00:02:20.297 --> 00:02:35.669
Und es gibt viel Interaktion zwischen Menschen, die in verschiedenen wichtigen Interessensbereichen aller Art tätig sind.

20
00:02:35.669 --> 00:02:40.857
Was wir uns teilen sollten, sind gemeinsame Werkzeuge.

21
00:02:40.857 --> 00:02:48.736
Die Resultate aus den Finanz- und Arbeitsmärkten sowie anderen Märkten schränken die Modelle ein,

22
00:02:48.736 --> 00:02:56.919
die wir etwa zur Evaluierung einer Steuerrichtlinie heranziehen.

23
00:02:56.919 --> 00:03:04.235
Es schien nur logisch zu sein, doch in gewisser Weise war es radikal,

24
00:03:04.235 --> 00:03:10.420
als Finn Kydland und ich das Gesamtwachstumsmodell zur Untersuchung von Konjunkturzyklen verwendeten.

25
00:03:10.420 --> 00:03:15.672
Das Wachstumsmodell ist kein Teil der Makroökonomie.

26
00:03:15.672 --> 00:03:21.357
Es gehörte zur Mikroökonomie - zu dem, was man früher Mikroökonomie nannte.

27
00:03:21.357 --> 00:03:27.235
Übrigens gab es jemanden, der seiner Zeit ein bisschen... weit voraus war;

28
00:03:27.235 --> 00:03:33.874
man nennt ihn den Vater der modernen Finanzwissenschaft: Merton Miller.

29
00:03:33.874 --> 00:03:41.000
Auch er verwendet für das Studium der Gesamtökonomie dieses Wachstumsmodell.

30
00:03:41.000 --> 00:03:48.251
Als er an der University of Chicago Business School Makroökonomie lehrte, stellte ihn die alte Theorie nicht zufrieden,

31
00:03:48.251 --> 00:03:52.249
weshalb er zusammen mit Charles Upton ein Buch schrieb mit dem Titel

32
00:03:52.249 --> 00:03:54.937
"The Neo Classical Growth Model in Macroeconomics" (Das neoklassische Wachstumsmodell in der Makroökonomie) oder so ähnlich.

33
00:03:54.937 --> 00:04:04.844
Was haben wir durch die Anwendung des Wachstumsmodells über Konjunkturzyklen gelernt?

34
00:04:04.844 --> 00:04:14.281
Zur Beantwortung dieser Frage werfen wir einen Blick auf eine Statistik bzw. ein Diagramm.

35
00:04:14.281 --> 00:04:21.656
Sehen wir uns die Schwankungen der letzten 50 Jahre in den Vereinigten Staaten an; sie sind bevölkerungsbereinigt.

36
00:04:21.656 --> 00:04:25.780
Ich ziehe immer die Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter heran,

37
00:04:25.780 --> 00:04:32.094
und stellvertretend für die Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter die Personen im Alter von 16 bis 64 Jahre,

38
00:04:32.094 --> 00:04:38.720
auch wenn das keine perfekte Näherung ist. Ich nehme stets Trendkorrekturen vor.

39
00:04:38.720 --> 00:04:46.597
Aufgrund des Produktivitätszuwachses gab es ein konstantes langfristiges Wachstum des Lebensstandards von fast 2 %.

40
00:04:46.597 --> 00:05:05.534
Es gab die Wissensakkumulation. Das Ergebnis ist eine Verdopplung des Lebensstandards in jeder Generation.

41
00:05:05.534 --> 00:05:12.345
Ich erkläre meinen Kindern immer, wie viel besser es ihnen geht, als es mir in meiner Kindheit gegangen ist,

42
00:05:12.345 --> 00:05:22.410
und ich erkläre ihnen auch, wie viel besser es ihren Kindern gehen wird, als es ihnen jetzt geht.

43
00:05:22.410 --> 00:05:33.394
Hier sehen Sie die Schwankungen von 1959 bis fast 2009.

44
00:05:33.394 --> 00:05:40.204
Sie sehen Schwankungen - nun, das sind Abweichungen vom Trend,

45
00:05:40.204 --> 00:05:48.083
die gerade Linie ist der Wachstumstrend: eine Verdopplung des Lebensstandards in jeder Generation.

46
00:05:48.083 --> 00:05:58.583
Die große Expansion in den 1960ern - heute können wir feststellen, was sie hervorgerufen hat.

47
00:05:58.583 --> 00:06:12.019
Wie sich herausstellte, war es die Produktivität; enorme Innovationen in den Vereinigten Staaten.

48
00:06:12.019 --> 00:06:21.455
Düsenflugzeuge, Großrechner, die chemische Industrie - spektakuläre Fortschritte.

49
00:06:21.455 --> 00:06:30.833
Und das Interstate Highway-System, das die Transportkosten dramatisch reduzierte.

50
00:06:30.833 --> 00:06:38.269
Die längste Expansion fand in den 1980ern statt, und wir wissen, dass sie durch Steuersenkungen hervorgerufen wurde.

51
00:06:38.269 --> 00:06:43.206
Und durch einen erneuten Produktivitätszuwachs.

52
00:06:43.206 --> 00:06:50.209
Finn und ich, wir hatten in unserem Modell keine Steuern ausgewiesen, doch wir hatten Schätzungen bis zum Jahr 1980 vorgenommen.

53
00:06:50.209 --> 00:06:59.021
Wir hätten weit danebengelegen, wenn wir in diesem Zeitraum die Steuern außer Acht gelassen hätten.

54
00:06:59.021 --> 00:07:11.146
Die größte Rezession - ich definiere Rezessionen: Beim MBR wird der 0 %-Trend angenommen.

55
00:07:11.146 --> 00:07:18.582
Man lässt dabei alle möglichen Sichtweisen einfließen, und bei allen wird eine in hohem Maße vorläufige,

56
00:07:18.582 --> 00:07:22.707
auf Echtzeitbasis erstellte Statistik herangezogen.

57
00:07:22.707 --> 00:07:29.833
Doch die tatsächliche Statistik für das BIP, die später erstellt wird, unterscheidet sich stark davon.

58
00:07:29.833 --> 00:07:37.895
Es kann sein, dass man bei der alle zehn Jahre stattfindenden Befragung von Haushalten -

59
00:07:37.895 --> 00:07:44.273
bei Unternehmen alle fünf Jahre - zusätzliche fünf Millionen Beschäftigte feststellt.

60
00:07:44.273 --> 00:07:50.021
Ein paar Jahre später kann man dann die umfangreichen Berichtigungen erkennen.

61
00:07:50.021 --> 00:07:58.209
Angesichts der berichtigten BIP-Statistik, die einige der Befragungsergebnisse berücksichtigt und neue Benchmarks enthält,

62
00:07:58.209 --> 00:08:11.758
sieht die jüngste Rezession der Jahre 2008/2009 gar nicht mehr so rätselhaft aus.

63
00:08:11.758 --> 00:08:25.942
Eine für mich überraschende Feststellung war, dass der Finanzkrise, den monetären Faktoren,

64
00:08:25.942 --> 00:08:34.383
anscheinend keine sehr große Bedeutung zukommt. Natürlich spielen diese Faktoren eine große Rolle in den Medien.

65
00:08:34.383 --> 00:08:41.506
Doch in den quantitativen, von tatsächlichen Merkmalen abgeleiteten Modellen, in denen sie berücksichtigt werden,

66
00:08:41.506 --> 00:08:47.258
bleibt nicht mehr viel davon übrig.

67
00:08:47.258 --> 00:09:01.005
Eines der Hauptthemen, an denen sich spannende Entwicklungen der letzten Jahre zeigen, ist folgendes:

68
00:09:01.005 --> 00:09:07.320
Die ökonomischen Modelle sind sowohl durch individuelle als auch durch allgemeine Beobachtungen eingeschränkt.

69
00:09:07.320 --> 00:09:17.009
Früher gab es... es gibt ein gefühlsmäßiges, ungeschriebenes Gesetz, dass nur Gesamtbetrachtungen herangezogen werden dürfen.

70
00:09:17.009 --> 00:09:23.133
Jeder Theoretiker würde sagen: Du sollst keine Zahlen antasten; früher war das ein Tabu.

71
00:09:23.133 --> 00:09:27.445
Und es hieß, dass man alles erklären kann.

72
00:09:27.445 --> 00:09:31.759
Wenn man die allgemeine Gleichgewichtstheorie verwendet, kann man das übrigens wirklich.

73
00:09:31.759 --> 00:09:37.444
Man muss nur Lebensgeister oder etwas Ähnliches einsetzen.

74
00:09:37.444 --> 00:09:54.881
Das würde die zustandsbedingte, besser gesagt: ereignisbedingte Sprache des Arrow-Debreu-Modells erschüttern.

75
00:09:54.881 --> 00:10:03.572
Finn und ich versuchten, einen Ankündigungsmechanismus für monetäre Schocks zu entwickeln.

76
00:10:03.572 --> 00:10:14.259
Wicksell und Frisch, die großen Ökonomen - ich glaube, einer ist Schwede, der andere Norweger - legten Wert auf diese Ankündigung.

77
00:10:14.259 --> 00:10:24.134
Finn kommt ebenso wie ich aus der Tradition der Verfahrensforschung.

78
00:10:24.134 --> 00:10:34.570
Daher arbeiteten wir natürlich quantitativ und nutzten schon früh den Computer, als das noch nicht so einfach war wie heute.

79
00:10:34.570 --> 00:10:40.064
Wir machten uns Sorgen über die Zahlen; darüber, wie groß alles war.

80
00:10:40.064 --> 00:10:45.956
Bei der Bauzeit geht es um die Frage, wie lange der Bau des neuen Bürogebäudes dauert.

81
00:10:45.956 --> 00:10:57.644
Wie hoch ist der Aufwand für Bürogebäude auf diesem Gebiet?

82
00:10:57.644 --> 00:11:06.955
Wir nahmen also diese Einschränkungen vor und grenzten damit den in der Bauindustrie geltenden Wert ein.

83
00:11:06.955 --> 00:11:15.395
Wir bestanden darauf, die Gesamtbetrachtung mit individuellen Beobachtungen in Einklang zu bringen.

84
00:11:15.395 --> 00:11:20.642
Die individuellen Beobachtungen schränkten das Gesamtmodell ein.

85
00:11:20.642 --> 00:11:23.644
Unsere grundlegenden Erkenntnisse lauteten wie folgt:

86
00:11:23.644 --> 00:11:28.706
Wenn der Gesamthaushalt über eine hohe Elastizität beim Arbeitskräfteangebot verfügt - beachten Sie bitte,

87
00:11:28.706 --> 00:11:38.020
dass ich "Gesamt" fett geschrieben habe; die Entsprechung wird die Gesamtproduktionsfunktion sein -

88
00:11:38.020 --> 00:11:42.893
und Produktivitätsschocks durchgehend die vorgegebene Varianz aufweisen,

89
00:11:42.893 --> 00:11:45.643
dann besteht eine Vorhersage des Wachstumsmodells darin,

90
00:11:45.643 --> 00:11:51.269
dass die wirtschaftlichen Konjunkturzyklen in der beobachteten Art schwanken werden.

91
00:11:51.269 --> 00:11:59.208
Übrigens erwies sich die Bauzeit als verhältnismäßig unwichtig, wie Garry Hanson gezeigt hat.

92
00:11:59.208 --> 00:12:14.770
Er verfasste diese schöne, abgespeckte Version des Modells, die alle wesentlichen Merkmale erfasst.

93
00:12:14.770 --> 00:12:17.771
Die Produktivitätsschocks mussten persistent sein.

94
00:12:17.771 --> 00:12:27.020
Nun, wir konnten uns die Residuen der Gesamtproduktionsfunktion ansehen - sie waren persistent.

95
00:12:27.020 --> 00:12:30.332
Und die Varianz hatte die richtige Größe.

96
00:12:30.332 --> 00:12:39.897
Wir sagten, dass diese Faktoren in diesem Zeitraum, ich glaube von 1954 bis 1980, 70 % der Varianz ausmachten.

97
00:12:39.897 --> 00:12:50.960
Wir ziehen die Messgröße der Varianz der Standardabweichung vor, da 85 % zu groß geklungen hätte.

98
00:12:50.960 --> 00:12:59.959
Doch wenn die Faktoren bzw. orthogonalen Varianzen zusammengefasst werden - 70 % ist viel -

99
00:12:59.959 --> 00:13:03.833
und es keine Produktivitätsschocks gäbe,

100
00:13:03.833 --> 00:13:11.146
wäre das als Variable immer noch 50 %. Das haben Varianzen nun einmal an sich.

101
00:13:11.146 --> 00:13:16.457
Verständlicherweise störte man sich daran, dass die Varianz so groß war.

102
00:13:16.457 --> 00:13:22.958
Das Wachstum des Vorrats an nützlichem Wissen verläuft relativ reibungslos.

103
00:13:22.958 --> 00:13:34.772
Viele Menschen sind beteiligt; gelegentlich fanden wir einen kleinen, nicht besonders großen Technologiesprung.

104
00:13:34.772 --> 00:13:47.083
Und dann sahen wir diese riesigen Produktivitätsunterschiede zwischen den Ländern,

105
00:13:47.083 --> 00:13:55.711
die für praktisch alle Unterschiede im Lebensstandard in verschiedenen Zeiten und Ländern verantwortlich sind.

106
00:13:55.711 --> 00:14:03.898
Produktivität wird zur residualen Messung der Leistung der den Wirtschaftssektor steuernden Regeln

107
00:14:03.898 --> 00:14:09.399
und rechtlichen Institutionen verwendet, nicht nur zur Messung der Veränderungen im Wissensvorrat.

108
00:14:09.399 --> 00:14:22.274
Die erste Quelle ist länderspezifisch; die zweite Quelle ist allgemein.

109
00:14:22.274 --> 00:14:31.774
Wie ich schon sagte: Die meisten Unterschiede sind auf Unterschiede in der Produktivität zurückzuführen.

110
00:14:31.774 --> 00:14:37.085
Ich betone, dass die Gesamtelastizität des Arbeitskräfteangebots groß ist.

111
00:14:37.085 --> 00:14:44.837
Die Aggregationstheorie sagt voraus, dass die Gesamtelastizität wesentlich größer ist

112
00:14:44.837 --> 00:14:53.212
als die individuelle Elastizität von Menschen, die unter bestimmten, untereinander gleichen Bedingungen zusammengefasst werden.

113
00:14:53.212 --> 00:15:02.085
Unter welchen Bedingungen?

114
00:15:02.085 --> 00:15:07.961
Wenn die Bedingungen so beschaffen sind, dass die wesentliche Anpassungsgrenze der Anzahl der Beschäftigten

115
00:15:07.961 --> 00:15:18.148
und Nichtbeschäftigten pro Woche entspricht, ist die Gesamtelastizität viel größer als die individuellen Elastizitäten.

116
00:15:18.148 --> 00:15:22.585
Das wird durch die Beobachtung bestätigt.

117
00:15:22.585 --> 00:15:33.899
Wenn sie gleich wären, wäre das ein Rätsel, eine Abweichung von der Theorie, eine Inkonsistenz.

118
00:15:33.899 --> 00:15:37.524
Da empirisch gesehen die wesentliche Grenze der Anzahl der Beschäftigten entspricht,

119
00:15:37.524 --> 00:15:43.399
stehen die individuellen Beobachtung und die Gesamtbetrachtung miteinander im Einklang.

120
00:15:43.399 --> 00:15:48.008
Wir stünden vor einem Rätsel, wenn diese Elastizitäten gleich wären.

121
00:15:48.008 --> 00:15:51.636
Andere Gesamtbetrachtungen sind ebenfalls relevant.

122
00:15:51.636 --> 00:15:57.510
Früher gab es eine Datenbasis nur für die USA und vielleicht für Großbritannien, doch heute ist es ganz einfach,

123
00:15:57.510 --> 00:16:03.008
auf eine Datenbasis für mehr oder weniger jedes Land der Welt zuzugreifen.

124
00:16:03.008 --> 00:16:14.258
In den verschiedenen Ländern gibt es große Unterschiede bei den Marktzeiten je Person im arbeitsfähigen Alter.

125
00:16:14.258 --> 00:16:23.575
Auch bei den effektiven Grenzsteuersätzen und den Zeiten, die man in einem vorgegebenen Land verbringt.

126
00:16:23.575 --> 00:16:30.759
Diese Beobachtungen ergeben eine genaue Schätzung der Elastizität des Gesamtangebots.

127
00:16:30.759 --> 00:16:35.325
Die Schätzung ist die gleiche wie die, die auf den Beobachtungen der Konjunkturzyklen beruht.

128
00:16:35.325 --> 00:16:41.637
Das muss alles einheitlich sein; man kann nicht mit bestimmten Annahmen eine Korrelation untermauern und verkünden,

129
00:16:41.637 --> 00:16:49.885
dass man es geschafft hat - und dann andere, damit unvereinbare Annahmen zur Untermauerung anderer Beobachtungen heranziehen

130
00:16:49.885 --> 00:16:52.010
und verkünden, dass man jetzt versteht, warum das so ist.

131
00:16:52.010 --> 00:16:59.388
Die Annahmen, die man trifft, müssen durch Beobachtung eingeschränkt werden und konsistent sein.

132
00:16:59.388 --> 00:17:03.701
Und wir müssen darauf aufbauen; das Ganze ist kumulativ.

133
00:17:03.701 --> 00:17:14.073
Die große Entwicklung, die die Theorie des Gesamtangebots an Arbeitskräften derzeit durchläuft,

134
00:17:14.073 --> 00:17:16.574
ist die Bestimmung des Anteils der Beschäftigungszeit an der Lebenszeit.

135
00:17:16.574 --> 00:17:25.699
Wir hören eine Menge über Ruhestand, die Menschen werden älter, selbst Sie, die jungen Ökonomen; es ist vorhersehbar,

136
00:17:25.699 --> 00:17:41.201
dass Sie jedes Jahr ein Jahr älter werden. Dagegen kann man sich nicht versichern.

137
00:17:41.201 --> 00:17:56.245
Das ist wichtig für die Prognose der Konsequenzen einer Rentenreform. Rogerson und Wallenius haben das gemacht.

138
00:17:56.245 --> 00:18:03.747
Wallenius ist heute anwesend; sie hat einen großen Beitrag geleistet und vielleicht sollte sie hier oben stehen.

139
00:18:03.747 --> 00:18:17.309
Hier ist ein Druckfehler; es muss LEN heißen, nicht M. Sie ist an der Stockholm School of Economics.

140
00:18:17.309 --> 00:18:21.372
Nun, die länderübergreifende Makrobeobachtung... das ist eine 45-Grad-Linie.

141
00:18:21.372 --> 00:18:30.621
Sie beginnt bei der Grenzrate der Substitution gleich der Grenzrate der Transformation für die Gesamtproduktionsfunktion

142
00:18:30.621 --> 00:18:39.934
und die Gesamtnutzenflussfunktion.

143
00:18:39.934 --> 00:18:51.907
Es ist nicht so, dass die Franzosen faul wären, sie haben nur hohe Steuersätze.

144
00:18:51.907 --> 00:19:00.281
Und hier gibt es keine freien Parameter; das heißt, einen gibt es, aber das ist auch schon alles,

145
00:19:00.281 --> 00:19:06.470
und er ist für alle Länder gleich.

146
00:19:06.470 --> 00:19:12.281
Die wichtigen Erkenntnisse über Konjunkturzyklen: Sie stellen optimale Reaktionen auf echte Schocks dar.

147
00:19:12.281 --> 00:19:18.092
Steuern, Demographie und Produktivität sind real.

148
00:19:18.092 --> 00:19:23.530
Versuche zur Stabilisierung der Wirtschaft sind verfehlt; sie stiften nur eine Menge Verwirrung,

149
00:19:23.530 --> 00:19:36.077
verursachen Rauschen und führen zu Unsicherheit, was mit Kosten verbunden ist.

150
00:19:36.077 --> 00:19:43.327
Dieses einfache Modell übrigens, das ich zusammen mit Finn verwendet habe und das von Handson vereinfacht wurde,

151
00:19:43.327 --> 00:19:49.891
trifft gute Vorhersagen, bis in den 1990ern ein großes Rätsel auftauchte.

152
00:19:49.891 --> 00:20:01.515
Was geschah in den 90ern? Im Gespräch mit dem Präsidenten der Minneapolis Federal Reserve Bank fragten wir uns:

153
00:20:01.515 --> 00:20:09.828
Warum arbeiten die Leute so verdammt viel, sind sie an ansteckendem Workaholismus erkrankt?

154
00:20:09.828 --> 00:20:18.394
Es gab keinerlei Steuersenkungen, keine nennenswerten Arbeitsmarktreformen.

155
00:20:18.394 --> 00:20:29.830
Die Produktivität - das BIP pro Stunde, pro Marktstunde - war nur in bescheidenem Umfang gestiegen.

156
00:20:29.830 --> 00:20:38.954
Doch unsere Produktivität war stark gestiegen. Im Aufschwung entfällt normalerweise ein Drittel einer Stunde auf Produktivität.

157
00:20:38.954 --> 00:20:49.891
In diesem Aufschwung entfielen auf 125 % einer Stunde 25 % auf Produktivität.

158
00:20:49.891 --> 00:20:58.642
Dieses Problem quälte mich zehn Jahre lang, bis es gelöst wurde.

159
00:20:58.642 --> 00:21:11.142
Ellen McGrattan und ich, wir sahen uns den Aktienmarkt an und fanden heraus, dass es von enormer Bedeutung ist,

160
00:21:11.142 --> 00:21:17.144
die Grundlagen, das immaterielle Kapital zu erfassen - genauso wichtig wie das materielle Kapital, die Dinge,

161
00:21:17.144 --> 00:21:23.018
die in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung auftauchen. Die Dinge, die kapitalisiert sind.

162
00:21:23.018 --> 00:21:30.238
Immaterielles Kapital - das ist F&E, die Entwicklung neuer Produkte, der Aufbau einer Organisation.

163
00:21:30.238 --> 00:21:42.613
Und eines der wichtigsten Dinge überhaupt ist die Investition in Humankapital junger Menschen am Arbeitsplatz.

164
00:21:42.613 --> 00:21:50.923
Ein Teil davon wird von Unternehmen finanziert; das ist für ein Unternehmen charakteristisch.

165
00:21:50.923 --> 00:22:00.237
Das ist das Kapital dieses Unternehmens. Der andere Teil ist rivalisierendes Humankapital, wie Paul Romer es nennt.

166
00:22:00.237 --> 00:22:07.300
Man kann seine großen Fähigkeiten zur Schau tragen und einen noch besser bezahlten Job an einer anderen Universität

167
00:22:07.300 --> 00:22:20.361
oder an einem anderen Forschungszentrum ergattern. Was meine ich mit Vorhersage, mit genauer Vorhersage?

168
00:22:20.361 --> 00:22:27.174
Wir nehmen Produktivität, Bevölkerung, Steuersätze und das Anfangskapital als exogen an.

169
00:22:27.174 --> 00:22:34.488
Wir bauen den Gleichgewichtspfad unter der Annahme einer perfekten Voraussicht, wobei es sich um eine unkorrekte Annahme handelt.

170
00:22:34.488 --> 00:22:41.424
Die Menschen haben keine perfekte Voraussicht. Wir führten natürlich einige Experimente durch und fanden heraus, dass wir dann,

171
00:22:41.424 --> 00:22:56.049
wenn wir Daten künstlich im Computer erzeugten, wussten, wie das rationale Erwartungsschema aussah.

172
00:22:56.049 --> 00:23:02.364
Und die Frage ist: Wie stark unterschieden sich die auf dieser unkorrekten Annahme basierenden Pfade von denen,

173
00:23:02.364 --> 00:23:06.739
die auf der korrekten basierten? Wir schufen diese Volkswirtschaft... nebenbei:

174
00:23:06.739 --> 00:23:13.114
Sie alle schaffen Ihre Volkswirtschaften, Ihre Götter, Sie haben Menschen in Ihrer Volkswirtschaft.

175
00:23:13.114 --> 00:23:24.740
Sie sind zwar künstlich, aber nützlich für die ökonomische Intuition.

176
00:23:24.740 --> 00:23:34.351
Es zeigte sich, dass die vorhergesagten und die tatsächlichen Pfade eng beieinander lagen, bis wir zu den 1990ern kamen.

177
00:23:34.351 --> 00:23:36.847
Dort gab es eine enorme Abweichung von der Theorie.

178
00:23:36.847 --> 00:23:39.914
Abweichungen von Theorien sind der Anlass für die Entwicklung von Theorien.

179
00:23:39.914 --> 00:23:46.662
Das gilt für alle exakten Wissenschaften, zu denen die Gesamtökonomie mittlerweile zählt.

180
00:23:46.662 --> 00:23:53.037
Es gibt Fälle, in denen die Erwartungen von Bedeutung sind.

181
00:23:53.037 --> 00:24:12.849
Ellen McGrattan hat eine, wie ich denke, wichtige Arbeit verfasst und auf die große Schrumpfung um etwa 25 % in den 1930ern

182
00:24:12.849 --> 00:24:31.866
und die weniger große Schrumpfung in der Größenordnung von 10 %, die wir in jüngster Zeit erlebt haben, angewandt.

183
00:24:31.866 --> 00:24:39.491
Was den Aufschwung der 1990er betrifft - wir müssen herausfinden, warum die Buchgewinne der Unternehmen so niedrig waren.

184
00:24:39.491 --> 00:24:47.742
Derzeit sind die Buchgewinne übrigens hoch.

185
00:24:47.742 --> 00:24:53.867
Warum waren sie damals niedrig, wo doch jeder weiß, dass es sich um einen Aufschwung handelte?

186
00:24:53.867 --> 00:24:57.303
Die MBAs quollen nur so aus den Wirtschaftshochschulen. Warum?

187
00:24:57.303 --> 00:25:01.634
Sie wollten Unternehmer werden, Unternehmen gründen, reich werden, gesellschaftlichen Überschuss schaffen.

188
00:25:01.634 --> 00:25:03.883
Und warum haben die Menschen so viel gearbeitet?

189
00:25:03.883 --> 00:25:08.447
Wie ich schon sagte: keine Steuersenkung, keine Arbeitsmarktreform.

190
00:25:08.447 --> 00:25:11.821
Und ich sagte auch, dass mich das ein Jahrzehnt lang gequält hat.

191
00:25:11.821 --> 00:25:14.884
Die Lösung bestand in der Einführung der immateriellen Investition.

192
00:25:14.884 --> 00:25:19.758
Es war von großer Bedeutung, eine Theorie des fundamentalen Werts des Aktienmarkts zu erhalten,

193
00:25:19.758 --> 00:25:27.696
die für die langfristigen Bewegungen des Aktienmarkts im Verhältnis zum BIP gut funktioniert.

194
00:25:27.696 --> 00:25:33.694
In Großbritannien variierte der Wert im Zeitraum 1960 bis 2000 um den Faktor 3.

195
00:25:33.694 --> 00:25:50.698
Bei Verhältnissen zum BIP sind die Abweichungen meistens gering. In den USA war es das Zweieinhalbfache.

196
00:25:50.698 --> 00:25:57.195
Sehen Sie sich den Wert vieler Unternehmen an - Coca-Cola ist viel mehr wert als seine Fabriken,

197
00:25:57.195 --> 00:26:06.631
es ist diese kleine Formel im Safe von Atlanta, die Formel zur Herstellung von Coca-Cola, der Markenname.

198
00:26:06.631 --> 00:26:22.508
Daneben haben wir Weaties and Cheerios, General Mills, Microsoft, Sysco und... welches Unternehmen hat den größten Wert?

199
00:26:22.508 --> 00:26:25.696
Ich meine gelesen zu haben, dass es Apple ist.

200
00:26:25.696 --> 00:26:33.823
Sie haben jede Menge Technologie, Know-how, Markennamen; all das wird durch das Unternehmen verkörpert.

201
00:26:33.823 --> 00:26:44.887
Und diese Form von Kapital ist von Bedeutung. Es war erforderlich, um das Verhalten des Aktienmarktes erklären zu können.

202
00:26:44.887 --> 00:26:49.200
Der Wert des Aktienmarktes entspricht im Wesentlichen dem Wert der Erzeugung von Wirtschaftsgütern,

203
00:26:49.200 --> 00:27:00.196
materiellen und immateriellen, zu den Kosten, die sie für die Eigentümer im Hinblick auf ihren Verbrauch verursachen.

204
00:27:00.196 --> 00:27:06.134
Steuern und institutionelle Vereinbarungen sind von Bedeutung, hier sogar von großer Bedeutung.

205
00:27:06.134 --> 00:27:19.450
Doch wir setzten das ein und sagten: Lassen wir die Produktivitäten bei diesen zwei Aktivitäten unterschiedlich sein.

206
00:27:19.450 --> 00:27:27.074
Eine galt für die Produktion von materiellem Kapital - Gebäude, Maschinen, Fahrzeuge etc.;

207
00:27:27.074 --> 00:27:36.276
die andere betraf das immaterielle Kapital.

208
00:27:36.276 --> 00:27:51.466
Wir nahmen eine residuale Bestimmung dieser zwei Produktivitätsreihen vor und behandelten sie als exogen.

209
00:27:51.466 --> 00:27:56.088
Es gab eine Fülle von Hinweisen darauf, dass sie... man kann erahnen, wie sie die Menschen verändern,

210
00:27:56.088 --> 00:28:01.028
wir sahen uns noch einmal diese Haushaltsbefragungen an,

211
00:28:01.028 --> 00:28:08.652
welche Berufe die Menschen ausüben - sind sie in den Branchen beschäftigt, die in großem Umfang in Tätigkeiten investieren,

212
00:28:08.652 --> 00:28:18.153
die mit diesem immateriellen Kapital zu tun haben? Und tatsächlich - es gab eine starke Verschiebung.

213
00:28:18.153 --> 00:28:26.902
Die NSF veröffentlicht übrigens F&E-Zahlen, die einen wichtigen Bestandteil der immateriellen Kapitalanlage,

214
00:28:26.902 --> 00:28:30.965
nicht des Kapitals, bilden.

215
00:28:30.965 --> 00:28:37.279
Es ist problematisch, einen Abschreibungssatz festzulegen, der daraus Kapital werden lässt.

216
00:28:37.279 --> 00:28:41.027
Wir konnten nur die Nettoinvestitionen messen.

217
00:28:41.027 --> 00:28:48.028
Wie sich jedoch zeigte, wurden die Ergebnisse für unsere Zwecke vom Abschreibungssatz gar nicht beeinflusst.

218
00:28:48.028 --> 00:28:53.278
Sie waren so, wie sie waren.

219
00:28:53.278 --> 00:29:02.717
Und wir konnten nicht gerade behaupten, dass sie für unsere Methode nicht besonders nützlich gewesen wären.

220
00:29:02.717 --> 00:29:11.342
Wir untersuchten sogar das Zeitprofil hundertprozentiger amerikanischer Tochtergesellschaften, die an der Börse notiert sind,

221
00:29:11.342 --> 00:29:18.092
der so genannten Anhang-C-Unternehmen; von ihnen stammt etwa die Hälfte der Produktion, das sind diejenigen,

222
00:29:18.092 --> 00:29:19.966
die Körperschaftsteuer zahlen.

223
00:29:19.966 --> 00:29:29.843
Es gibt einen beträchtlichen Bestandteil von Unternehmen, die alles an ihre Eigentümer und Beschäftigte ausschütten;

224
00:29:29.843 --> 00:29:33.781
das wird dann steuerlich als normales Einkommen behandelt.

225
00:29:33.781 --> 00:29:40.031
Und sie zahlen keine Körperschaftsteuer - das sind die Anhang-S-Unternehmen.

226
00:29:40.031 --> 00:29:43.528
Jetzt aber spreche ich über die Anhang-C-Unternehmen.

227
00:29:43.528 --> 00:29:47.342
Ausweislich der Gewinnrechnungen stammt fast die Hälfte der Profite amerikanischer Unternehmen -

228
00:29:47.342 --> 00:29:56.031
etwas über 10 % ihrer Investitionen - von hundertprozentigen ausländischen Tochtergesellschaften.

229
00:29:56.031 --> 00:30:04.592
Jeder Buchhalter sollte sich darüber Gedanken machen und sich fragen, was da los ist.

230
00:30:04.592 --> 00:30:11.155
Die Sache ist die: Diese teuren Investitionen verringern den Buchgewinn.

231
00:30:11.155 --> 00:30:21.406
Immaterielle Investitionen zählen nicht zur Produktion; das senkt den Gewinn.

232
00:30:21.406 --> 00:30:27.093
Diese ausländischen Tochterunternehmen sind buchhalterisch betrachtet zunächst -

233
00:30:27.093 --> 00:30:34.579
nämlich dann, wenn die große immaterielle Investition getätigt wird - nicht sehr rentabel.

234
00:30:34.579 --> 00:30:36.705
Später werden sie dann rentabel.

235
00:30:36.705 --> 00:30:44.202
Wir erwarteten nicht, dass uns die Bundessteuerbehörde die Statistik zur Verfügung stellen würde, und das tat sie auch nicht.

236
00:30:44.202 --> 00:30:49.638
Es wäre einfach gewesen, unserer Bitte nachzukommen, aber es gibt Vertraulichkeitsprobleme.

237
00:30:49.638 --> 00:30:59.830
Zum Glück fanden wir ein paar Leute, die sich diese Statistiken angesehen hatten, und die Übereinstimmung war überwältigend.

238
00:30:59.830 --> 00:31:07.894
Aber wo tauchen diese Kapitalerträge auf? Kapitalerträge sind kein Teil der gemessenen Produktion.

239
00:31:07.894 --> 00:31:17.330
Doch man erfährt etwas über die Kapitalerträge, wenn man sich die Bilanz ansieht,

240
00:31:17.330 --> 00:31:22.519
die Geldflussstatistik weist die Einkünfte der Haushalte aus,

241
00:31:22.519 --> 00:31:25.577
wir können daraus die Halteperiode für den privaten Sektor ersehen, es gibt Stiftungen...

242
00:31:25.577 --> 00:31:33.081
gemeinnützige Organisationen gehören zum Haushaltssektor, aber das ist nur ein kleiner Teil.

243
00:31:33.081 --> 00:31:44.640
Und diese Kapitalerträge haben genau die richtige Größe. Normalerweise liegen sie bei etwa 2 % des BIP jährlich.

244
00:31:44.640 --> 00:31:57.707
In den späten 1990ern stiegen sie auf 6 % und überboten damit die Produktion um einen abnorm hohen Betrag.

245
00:31:57.707 --> 00:32:12.016
Übrigens wussten wir in den 1990ern alle, dass die Wirtschaft boomte. Hier sehen wir das naive Modell ohne immaterielles Kapital.

246
00:32:12.016 --> 00:32:19.145
Die rote Linie stellt die tatsächliche Pro-Kopf-Arbeitszeit dar, die blaue Linie ist die prognostizierte Pro-Kopf-Arbeitszeit.

247
00:32:19.145 --> 00:32:31.707
Die Abweichung ist riesig. Setzt man das immaterielle Kapital ein, passt alles wie angegossen.

248
00:32:31.707 --> 00:32:41.392
Nebenbei: Man kann immer eine ausreichende Menge von Präferenzparametern einsetzen, um das Ergebnis den Beobachtungen anzupassen.

249
00:32:41.392 --> 00:32:45.642
Warum wird in Europa, jedenfalls bis vor kurzem, 30 % weniger gearbeitet

250
00:32:45.642 --> 00:32:53.957
als in Amerika und anderen fortschrittlichen Industrieländern?

251
00:32:53.957 --> 00:33:01.596
Einige sagen, Westeuropäer ziehen einfach aus der Arbeit mehr negativen Nutzen bzw. mehr Nutzen aus Urlaubstagen.

252
00:33:01.596 --> 00:33:11.911
Meine Arbeitshypothese, die ich immer noch vertrete, lautet: So groß sind die Unterschiede nicht.

253
00:33:11.911 --> 00:33:22.161
Früher haben die Westeuropäer genauso viel gearbeitet wie die Bevölkerung der anderen fortschrittlichen Industrieländer.

254
00:33:22.161 --> 00:33:26.222
Das ist kein ansteckender Fall von Faulheit.

255
00:33:26.222 --> 00:33:32.847
Wenn man auf Lebenseinstellung ("animal spirits") und dergleichen zurückgreift, dann ist das keine Wissenschaft.

256
00:33:32.847 --> 00:33:38.911
Es gibt einen Faktor, den wir messen können - Steuersätze.

257
00:33:38.911 --> 00:33:45.098
Die Europäer haben einen effektiven Grenzsteuersatz von 60 %; in der übrigen Welt liegt er bei 40 %.

258
00:33:45.098 --> 00:33:51.348
Das reicht, um den prognostizierten Unterschied hervorzurufen.

259
00:33:51.348 --> 00:34:03.537
Jetzt beschwört jeder die Finanzkrise als Grund dafür, warum die amerikanische Wirtschaft am Boden liegt.

260
00:34:03.537 --> 00:34:07.661
Ich sage: Nein, die Fed, das Finanzministerium,

261
00:34:07.661 --> 00:34:16.035
die europäischen Zentralbanken und andere Institutionen haben im September 2008,

262
00:34:16.035 --> 00:34:25.788
als sie eine Liquiditätskrise verhinderten, hervorragende Arbeit geleistet.

263
00:34:25.788 --> 00:34:37.133
Vor der Gründung der Federal Reserve Bank im Jahr 1913 gab es regelmäßig Liquiditätskrisen, etwa alle fünf Jahre.

264
00:34:37.133 --> 00:34:51.445
Die von uns errichteten Institutionen haben uns damals keine guten Dienste geleistet.

265
00:34:51.445 --> 00:34:56.258
Es gab immer wieder ernste Störungen der Wirtschaft.

266
00:34:56.258 --> 00:35:08.524
Man versuchte verzweifelt, ein Modell davon zu entwickeln - ein Modell,

267
00:35:08.524 --> 00:35:13.835
das mit individueller Beobachtung und der Gesamtbetrachtung übereinstimmt.

268
00:35:13.835 --> 00:35:15.461
Es ist nicht gelungen.

269
00:35:15.461 --> 00:35:20.522
Und die, die das versuchten, waren helle Köpfe; mangelndes Talent ist also nicht der Grund des Scheiterns.

270
00:35:20.522 --> 00:35:32.825
Übrigens haben wir unter Heranziehung dieses Modells die großen Depressionen untersucht;

271
00:35:32.825 --> 00:35:42.387
Cole und Ohanian haben damit in den späten 1990ern begonnen.

272
00:35:42.387 --> 00:35:51.760
Sie brachen ein Tabu, indem sie die große Depression anhand dieses neoklassischen Wachstumsmodells untersuchten.

273
00:35:51.760 --> 00:36:03.135
Mithilfe derselben Methode untersuchten wir - mehrere Personen - 16 große Depressionen.

274
00:36:03.135 --> 00:36:09.574
Bei der gegenwärtigen amerikanischen Depression handelt es sich

275
00:36:09.574 --> 00:36:19.573
ebenso wenig wie bei den italienischen Depressionen in den 1930ern um besonders schwere Depressionen;

276
00:36:19.573 --> 00:36:23.887
sie erreichten ganz einfach nicht die Größenordnung, die wir für die Bezeichnung groß forderten.

277
00:36:23.887 --> 00:36:27.447
Diese Depressionen gehören nicht der Vergangenheit an.

278
00:36:27.447 --> 00:36:30.010
Ich könnte darüber hinaus eine ganze Reihe weiterer aufführen -

279
00:36:30.010 --> 00:36:34.138
im Zeitraum 1970 bis 1995 hatte die Schweiz ihre große Depression; außerdem Neuseeland.

280
00:36:34.138 --> 00:36:47.452
Die Depressionen in Chile und Mexiko begannen in den 1980ern; Chile hat sich erholt, Mexiko nicht.

281
00:36:47.452 --> 00:36:54.011
Es gibt im Zusammenhang mit der Depression viele ungelöste Rätsel.

282
00:36:54.011 --> 00:37:00.029
Was geschah in diesem Jahr 1930, warum investierten die Menschen nicht mehr?

283
00:37:00.029 --> 00:37:03.402
Sie bekamen kein Geld, das sie hätten investieren können, sagen Einige.

284
00:37:03.402 --> 00:37:08.718
Doch warum gönnten die Unternehmen ihren Eignern diese riesigen Ausschüttungen?

285
00:37:08.718 --> 00:37:12.279
Die Dividenden stiegen ins Unermessliche.

286
00:37:12.279 --> 00:37:18.090
Investitionen für Unternehmen werden hauptsächlich durch einbehaltene Gewinne finanziert.

287
00:37:18.090 --> 00:37:26.029
Sie hatten also Zugang zu dem Geld, sonst hätten sie es nicht an die Eigner ausschütten können.

288
00:37:26.029 --> 00:37:31.341
Dieses Rätsel hat mich lange beschäftigt.

289
00:37:31.341 --> 00:37:36.905
Ich glaube, es war 1976, als ich in Madison, Wisconsin,

290
00:37:36.905 --> 00:37:43.716
beim Sommermeeting der Econometric Society die Arbeit von LeRoy-Porter über diese überschießende Volatilität hörte.

291
00:37:43.716 --> 00:37:56.061
Unabhängig davon macht Shiller dieselbe Beobachtung. Das Rätsel ist immer noch ungelöst.

292
00:37:56.061 --> 00:38:09.624
Sollte es jemand von Ihnen lösen, rufen Sie mich bitte an. Den langfristigen Pfad habe ich bereits erwähnt.

293
00:38:09.624 --> 00:38:18.624
Ein weiteres großes Rätsel: Warum lassen sich aus Offenheit im Handel derart große Gewinne erzielen?

294
00:38:18.624 --> 00:38:30.123
Eaton und Kortum haben eine wirklich aufregende Entwicklung im Handelsverkehr angestoßen,

295
00:38:30.123 --> 00:38:38.501
passend zu den Mikrobeobachtungen auf Unternehmensebene. Sie gehören zur Tradition der komparativen Vorteile.

296
00:38:38.501 --> 00:38:49.436
Es gibt die steigenden Gewinne des von Krugman auf den internationalen Handel ausgeweiteten Dixit-Stiglitz-Modells.

297
00:38:49.436 --> 00:38:52.688
Und es gibt das klassische Modell.

298
00:38:52.688 --> 00:38:59.563
Übrigens: Wenn man auf Beobachtungen beschränkt ist, auf beobachtete Flüsse, ermöglichen all diese Modelle kleine Handelsgewinne.

299
00:38:59.563 --> 00:39:10.249
Diese Abbildung gefällt mir; das sind Zahlen aus Madison, die GGDC-Geary-Khamis-Kaufkraftparität.

300
00:39:10.249 --> 00:39:14.374
Produktivität der EU im Verhältnis zur USA - ich verwende Produktivität,

301
00:39:14.374 --> 00:39:26.189
da in jüngerer Zeit die Arbeitszeit in Europa vergleichsweise zurückgegangen ist.

302
00:39:26.189 --> 00:39:33.876
Etwa 50 Jahre lang, vor dem zweiten Weltkrieg,

303
00:39:33.876 --> 00:39:39.312
erreichte die Produktivität der Westeuropäer nur 55 % der Produktivität der Amerikaner.

304
00:39:39.312 --> 00:39:49.812
Seit den Römischen Verträgen von 1957 holten die ursprünglichen sechs EU-Mitglieder den Produktivitätsrückstand auf

305
00:39:49.812 --> 00:39:55.375
und fielen auch nicht mehr zurück. Warum? Die später Beigetretenen, meine Freunde aus Polen...

306
00:39:55.375 --> 00:40:01.816
das ist eines der wichtigsten, bedeutendsten Länder dieser Gruppe;

307
00:40:01.816 --> 00:40:09.190
gestern beim Abendessen lernten wir einige Vertreter aus Estland kennen, und wir hatten eine faszinierende Diskussion.

308
00:40:09.190 --> 00:40:26.005
Sie holen rasch auf. Das ist das Pro-Kopf-BIP. In Westeuropa, ebenso wie in Japan, liegt es bei etwa 70 %.

309
00:40:26.005 --> 00:40:33.564
Doch die prognostizierten Gewinne aus der Offenheit im Handel sind viel kleiner.

310
00:40:33.564 --> 00:40:42.001
Sie sehen also diesen großen Gewinn, Ihre Theorie sagt aber diesen Betrag voraus, was tun Sie jetzt?

311
00:40:42.001 --> 00:40:49.940
Sie können sich so lange am Kopf kratzen, bis er kahl ist.

312
00:40:49.940 --> 00:41:03.332
Wenn es nicht der Handel ist, was ist es dann? Nun, Ellen McGrattan und ich, wir erweiterten das Modell auf...

313
00:41:03.332 --> 00:41:13.393
Schumpeter sagte, zur Endogenisierung der technischen Entwicklung seien Monopoleinkünfte erforderlich.

314
00:41:13.393 --> 00:41:18.269
Deshalb stürzt sich jeder auf das monopolistische Wettbewerbsmodell.

315
00:41:18.269 --> 00:41:25.208
Wir entwickelten eine andere Herangehensweise, eine, die im Wettbewerbsgleichgewicht bleibt - die konvexen Kegel,

316
00:41:25.208 --> 00:41:33.084
die wir in der Makroökonomie verwenden, auf denen die gesamte Wachstumszerlegung beruht -

317
00:41:33.084 --> 00:41:41.082
es ist ganz einfach, mit den Daten, den Erweiterungen zu interagieren. Wir führten das Konzept eines Standorts ein.

318
00:41:41.082 --> 00:41:50.018
Und es gibt Standorterträge. Wir fügen außerdem die kombinierte Produktion hinzu.

319
00:41:50.018 --> 00:41:57.521
Wir erhielten viel größere Gewinne, aber sie waren immer noch viel zu klein. Das war es also nicht.

320
00:41:57.521 --> 00:42:03.023
Anscheinend ist die Verbreitung von Wissen sehr wichtig; man gibt alles daran,

321
00:42:03.023 --> 00:42:09.644
das zu verwenden und auf produktive Art zu modellieren.

322
00:42:09.644 --> 00:42:21.959
Eine andere Sache ist der Wettbewerb. Empirisch gesehen ist der Wettbewerb mit höherer Produktivität verbunden.

323
00:42:21.959 --> 00:42:31.521
Unsere Eisenminen in Nord-Minnesota verdoppelten 1982 ihre Produktivität - ohne neue Technik,

324
00:42:31.521 --> 00:42:35.582
einfach durch eine Änderung der Arbeitsvorschriften. Wie ist es dazu gekommen?

325
00:42:35.582 --> 00:42:45.771
Die brasilianischen Minen wurden in Betrieb genommen, und allein diese Wettbewerbsdrohung reichte schon aus,

326
00:42:45.771 --> 00:42:55.522
die Produktivität der Minen in Nord-Minnesota, in Kanada und, wenn wir schon dabei sind, in Schweden zu steigern.

327
00:42:55.522 --> 00:43:07.428
In Australien passierte es erst zehn Jahre später, als die indischen Erzminen in Betrieb genommen wurden.

328
00:43:07.428 --> 00:43:13.366
Das ist empirisch, nicht theoretisch.

329
00:43:13.366 --> 00:43:26.054
Und es ergibt eine bessere Theorie darüber, warum diese dezentralen Mechanismen empirisch so viel besser funktionieren.

330
00:43:26.054 --> 00:43:28.368
Ich komme zum Schluss.

331
00:43:28.368 --> 00:43:37.303
Mein Auftrag an die nächste Generation von Ökonomen, an Sie, lautet: Machen Sie unsere Wissenschaft noch besser.

332
00:43:37.303 --> 00:43:42.992
Ich weiß, dass Sie das tun werden, und ich glaube, dass es Ihnen Spaß machen wird.

333
00:43:42.992 --> 00:43:47.803
Wir haben einen schönen Beruf, die Gesellschaft behandelt uns großartig.

334
00:43:47.803 --> 00:43:53.493
Wir leben länger, wir müssen uns nicht in diese angespannten Unternehmen begeben...

335
00:43:53.493 --> 00:44:06.006
und sobald Sie als Studentin oder Student Ihr Examen bestanden haben, vom ersten Jahr an, sind sie Kolleginnen und Kollegen.

336
00:44:06.006 --> 00:44:15.697
Und ich lerne sehr viel von ihnen. In jedem Kurs, den ich gebe, sage ich den Studenten, dass ich mehr lernen will als sie.

337
00:44:15.697 --> 00:44:25.946
Auch der Zeitpunkt, den Sie sich dafür ausgesucht haben, in diesem Bereich tätig zu werden, ist gut gewählt.

338
00:44:25.946 --> 00:44:29.884
Und die kleinen Finanzkrisen, die Wirtschaftskrisen waren gut für uns;

339
00:44:29.884 --> 00:44:34.383
viele helle Köpfe wollen jetzt Wirtschaftswissenschaftler werden.

340
00:44:34.383 --> 00:44:38.633
Sie sind der Lebensnerv einer wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät.

341
00:44:38.633 --> 00:44:39.633
Vielen Dank.

